Der gute Zweck

Alle Kinder können in die Clubs


Von Rainer Grünberg

(erschienen im Hamburger Abendblatt am 1. März 2014)

Mehr als 9300 Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien werden von der Abendblatt-Aktion in Sportvereinen unterstützt. Eine wichtige Säule ist der HSH Nordbank Run am 21. Juni durch die HafenCity.

Am Sonnabend, den 21. Juni, laufen wieder Zehntausende die traditionelle vier Kilometer lange Strecke durch die HafenCity. Sie rennen für "Kids in die Clubs", eine Initiative des Abendblatt-Vereins "Kinder helfen Kindern", der Hamburger Sportjugend und der Stadt. "Kids in die Clubs" zahlt die Vereinsbeiträge für Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien, gibt auf Antrag Zuschüsse für Vereinsfahrten und Trainingslager. Die Fußball-Bundesliga-Stiftung hat das Projekt für sein "besonderes soziales Engagement" kürzlich ausgezeichnet.

Der HSH Nordbank Run ist eine wichtige Säule der Finanzierung. Sechs Euro vom Startgeld jedes Teilnehmers und zehn Euro pro Team, fließen seit neun Jahren in die Förderung. Die 135.000 Euro des vergangenen Jahres, als 789 (Firmen-)Mannschaften mit 21.162 Läufern durch Hamburgs neues Elbquartier liefen, erhöhten die Spendensumme aus der großen Wohltätigkeitsveranstaltung auf insgesamt eine Million Euro.

Für 9304 Hamburger Kinder und Jugendliche, das ist wieder ein neuer Rekord, beglich "Kids in die Clubs" vergangenes Jahr die Monatsbeiträge in den Sportvereinen – mit wesentlicher Unterstützung des Bildungs- und Teilhabegesetzes der Bundesregierung. Zehn Euro für jedes Kind, die auch von jenen Clubs akzeptiert werden, die sonst höhere Zahlungen von ihren jugendlichen Mitgliedern verlangen. Bundesweit hat das Programm viele Nachahmer gefunden.

So erfolgreich wie in Hamburg läuft es nirgendwo. Ein Grund der Akzeptanz scheint der geringe Aufwand an Bürokratie. "Wir wollen ja helfen und keine Hürden aufbauen", sagt Conny Sonsmann von der Hamburger Sportjugend. "Wir sind überzeugt, dass Sport im Verein, in einer festen Gruppe, Kindern hilft, die Anforderungen der Schule und des Lebens besser zu meistern."


Abdul, 15, Max, 16, und Bernd, 16, sind drei Jugendliche, die seit Jahren von der Aktion "Kids in die Clubs" profitieren. Ihr Spielfeld liegt im Osten Hamburgs, in Mümmelmannsberg, einem Stadtteil mit sozialen Herausforderungen. Der städtischen Sportanlage an der Kandinskyallee 29 sieht man diese nicht an. Sie ist sehr gepflegt: zwei Kunstrasen-, zwei Rasenplätze, ein Skatepark und saubere Umkleideräume. Die 400-Meter-Laufbahn wird gerade erneuert. Bäume umsäumen das weitläufige Gelände. "Sie müssten mal im Sommer wiederkommen, wenn hier alles grün ist. Dann ist es noch mal so schön", sagt Helmut Sühl, 54.

Sühl ist Platzwart, Vereinsjugendwart beim hiesigen Landesligaclub Mümmelmannsberger SV, Leiter der Fußballabteilung. Ohne ihn läuft nichts, mit ihm ganz viel. Er sorgt dafür, dass die Anlage so gepflegt bleibt. Der ehemalige Ligaspieler organisiert den Betrieb, besorgt Fußballschuhe, Trikots und Bälle für die Jugendmannschaften, redet mit Eltern und Trainern, versucht Betreuer für die Teams zu finden. "Das ist bei den vielen Hartz-IV-Familien in Mümmelmannsberg nicht leicht. Wenige trauen sich, obwohl wir alles tun, damit niemand auf seinen Kosten sitzen bleibt." Jedes Jahr reist Sühl mit mehreren Teams ins Ferienzentrum Schloss Dankern an der Ems. "Je mehr ich mache, desto mehr Spaß macht es", sagt er. "Kids in die Clubs" hat dem Verein neuen Zulauf beschert. 230 der 510 Jugendlichen werden über diese Aktion unterstützt.

Abdul, Max und Bernd fühlen sich wohl beim Mümmelmannsberger SV. Alle drei spielen in der B-Jugend, alle in der Abwehr. Abdul in der Mitte, Max links, Bernd rechts. Sie gehen nebenan in die zehnte Klasse der Stadtteilschule. Max bereitet sich gerade auf die Mittlere Reife vor, Abdul und Bernd werden bis zum Abitur bleiben. Zweimal in der Woche kommen sie zum Training, montags und mittwochs. Am Wochenende folgen die Punktspiele. Die ersten zwei Begegnungen in diesem Jahr haben sie verloren. Den einstigen Traum von einer Sportkarriere haben sich die drei abgeschminkt, die Lust am Fußball spielen aber haben sie darüber nicht verloren.

"Seit in Deutschland Talente besser gefördert werden, ist es viel schwieriger geworden, Profi zu werden, weil immer mehr Kinder Fußball spielen wollen", sagt Abdul. Max, der sich gerade seine grünen Treter anzieht, nickt. "Früher", sagt Bernd, "wollte ich mal Fußballer werden. Doch irgendwann habe ich eingesehen, dass es nicht klappen wird." Alle drei sind dennoch im Verein geblieben. "Und sie sind immer noch mit großem Eifer dabei", sagt Pascal Schwarz, 40, ihr Trainer.

Pascal Schwarz ist auch der Grund, warum Max nach einem halben Jahr bei einem anderen Verein zum Mümmelmannsberger SV zurückgekehrt ist. "Sein Training gefällt mir", sagt der 16-Jährige. Pascal Schwarz lächelt, und Betreuer Sühl sagt: "Er weiß die Jungen zu nehmen, sie richtig anzusprechen, zu motivieren."

Weitere Informationen zu "Kinder helfen Kindern e.V." und aktuellen Projekten finden Sie hier.

 

 

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