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Kinder helfen Kindern e.V. - Integration durch Basketball

Samer Ismailat hat die St. Pauli Bats gegründet. Jetzt sollen Jugendteams aufgebaut werden. Die Aktion "Kids in die Clubs" hilft dabei.

Der Himmel ist grau, seit Stunden regnet es, die Temperaturen liegen knapp über dem Gefrierpunkt. Es gibt schönere Wintertage in Hamburg als diesen nasskalten Sonntag. 19 Kinder und Jugendliche hält dieses Schmuddelwetter nicht davon ab, am frühen Nachmittag zum Training auf den Spielplatz der Siedlung am Billbrookdeich zu kommen. Dort hängt ein Basketballkorb, dort ist Samer Ismailat. Ihr Trainer, Lehrer, Betreuer, Animateur – der Grund, warum sie ihre warmen Wohnstuben verlassen haben. Korbleger stehen diesmal auf dem Programm, eine der leichteren Übungen für jene, die einmal in einem Verein Basketball spielen wollen. Und das wollen sie hier alle. Endlich raus aus der Siedlung. Ismailat (34) ist Libanese mit deutschem Pass. So steht es auf seiner Homepage (samer­ismailat.com). Als er im Dezember 1982 geboren wurde, tobte in seiner Heimat der Bürgerkrieg, geschossen wurde in der Hauptstadt Beirut auf alles, was sich bewegte. Irgendwann beschlossen seine Eltern, mit den Kindern nach Deutschland zu fliehen. Sie landeten im ostfriesischen Aurich. Schnell entdeckte der kleine Samer dort seine Liebe zum Basketball. Bis heute ist er ihr treu geblieben.

Samer Ismailat ist ein Musterbeispiel gelungener Integration. Er trainierte, wann immer sich ihm die Gelegenheit bot, zehn-, zwölfmal die Woche. Er wurde Basketballprofi, stieg mit Cuxhaven in die Erste Bundesliga auf. Der Verein verzichtete später auf den Klassensprung. Das Geld fehlte. In Hamburg arbeitet Ismailat als Basketballtrainer und Streetworker. Sein Deutsch ist perfekt, geschrieben und gesprochen. Er ist ein Vorbild für alle, die es zu inte­grieren gilt. Dort, wo in Hamburg Flüchtlinge untergebracht sind, bietet er seine Basketballcamps an. Mit großem Erfolg. Das Abendblatt unterstützt ihn dabei seit Jahren auch finanziell über "Kinder helfen Kindern e.V.".

Um mehr Struktur in seine Arbeit zu bekommen, hat Ismailat im vergangenen Jahr mit Freunden den im Vereinsregister eingetragenen Sportclub St. Pauli Bats (Fledermäuse) gegründet. Er soll irgendwann die Anlaufstelle für alle werden, die er betreut, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die erste Herrenmannschaft musste im September im Spielbetrieb ganz unten anfangen, in der Kreisliga. Bis heute hat sie alle Punktspiele gewonnen. Ismailat erzählt das nicht ohne Stolz, schließlich steht dem Club keine Halle zur Verfügung, in der das Team trainieren kann. Die Spiele darf es in der Schule Budapester Straße auf St. Pauli austragen. Dafür hat der Hamburger Basketballverband gesorgt. Immerhin.

"Das mit dem Training ist wirklich ein riesiges Problem", sagt Ismailat, "weder im Bezirk Altona noch in Mitte erhalten wir in der Woche Übungszeiten." Die Bats stehen jetzt auf Wartelisten. Bis sie irgendwann berücksichtigt werden, kann es Jahre dauern. In der Zwischenzeit fährt Ismailat mit dem Fahrrad alle Hallen in der Umgebung ab, um nach Leerständen zu fahnden. Und er findet immer wieder Gebäude, die nicht genutzt werden. "In manchen brennt an vier Tagen in der Woche abends kein Licht, offiziell sind die Hallen aber von Vereinen belegt. Den Bezirksämtern sind deshalb die Hände gebunden." In anderen Hallen wiederum trainieren oft nur zwei, drei Leute. Mit denen arrangiert er sich, irgendwie. Man teilt sich dann die Flächen. "Es ist ein mühseliges Geschäft", sagt er.

Ismailat ist keiner, der klagt, er ist ein Mann der Lösungen. Zuletzt hat er mehreren Schulen angeboten, bei ihnen nachmittags Basketball-Arbeitsgemeinschaften durchzuführen. Sogar kostenlos. "Wenn ich einen Hallenschlüssel bekäme, wäre das schon Lohn genug." Schließlich wollen die Bats wachsen, von oben nach unten. Erst die Herrenmannschaften, dann sollen Jugendteams aufgebaut werden. Interessenten gibt es genug. Die Abfolge ergibt Sinn. Die Älteren sollen später einmal die Jüngeren trainieren und betreuen. Das ist sein Plan.

Und hier kommt wieder das Abendblatt ins Spiel. Die Aktion "Kids in die Clubs" des gemeinnützigen Vereins "Kinder helfen Kindern" finanziert in Zusammenarbeit mit der Hamburger Sportjugend (HSJ) und der Stadt Hamburg Vereinsmitgliedschaften für Kinder und Jugendliche, deren Eltern die monatlichen Beiträge nicht bezahlen können. Ismailats Klientel in Billstedt, Stellingen und Langenhorn braucht genau diese Unterstützung. Die entsprechenden Anträge an die HSJ hat er für seine Kids ausgefüllt, abgeschickt hat er sie noch nicht. "Solange unser Hallenproblem nicht gelöst ist, wir keine verlässlichen Trainingszeiten bekommen, bringt es uns nichts, wenn wir bei den Bats 30, 40 oder mehr Jugendliche aufnehmen. Das führt nur zu Enttäuschungen", sagt Ismailat.

An "Kids in die Clubs" beteiligen sich derzeit 169 der 818 Hamburger Sportvereine, die St. Pauli Bats wären der 170. Die Clubs akzeptieren dabei die fremdfinanzierten Monatsbeiträge von zehn Euro, obwohl diese in vielen ihrer Abteilungen höher sind. Die Angebote reichen von Basketball und Fußball über Fechten, Judo, Yoga, Pilates bis zum Voltigieren und Schach. Im vergangenen Jahr wurde dank des Aktionsbündnisses erneut rund 9000 Kindern und Jugendlichen die Mitgliedschaft in einem dieser Vereine ermöglicht.

Seit dem Start der Aktion im Jahr 2005 hat "Kids in die Clubs" mehr als 100.000 Heranwachsende in Hamburg unterstützt, damit sie regelmäßig Sport im Verein treiben können. Ein wichtiger Eckpfeiler der Finanzierung ist seit 2006 der HSH Nordbank Run, Norddeutschlands größ­ter Spenden- und Firmenlauf (siehe Infowinkel links). Die St. Pauli Bats wollen am 1. Juli erstmals an ihm teilnehmen.

Von Rainer Grünberg

Erschienen im Hamburger Abendblatt am 4. Februar 2017

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